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Wirtschaftskrise

Dienstag, 7. Juli 2009

Was sind "Freie Exportzonen"?

Im Zusammenhang mit dem Putsch in Honduras taucht immer wieder der Begriff "Freie Exportzonen" auf. Besonders in Honduras existiert hier das Problem, dass es in diesen Niedrigst-Lohn-Wirtschaftszonen (auch Maquila-Industrie genannt) de facto (nicht de jure) kein Recht auf gewerkschaftliche Organisierung gibt. Freie Exportzonen gibt es nicht nur in Honduras.
eco-world.de schreibt dazu:
Seit 1965 entstanden in den Ländern der Dritten Welt über 2000 sogenannte Maquilas. Das sind freie Exportzonen oder Sonderwirtschaftszonen, in denen die nationalen Arbeitsgesetze, soziale und tarifliche Bestimmungen kaum eine Rolle mehr spielen. Vor allem Konzerne der Textilindustrie machen sich diese Maquilas in rund 70 Entwicklungsländern zunutze und lassen dort in den sogenannten Sweatshops ihre Markenkleidung billigst herstellen. Die dort angestellten Arbeiterinnen - 70 bis 90 Prozent der Beschäftigten in den Maquilas sind Frauen - werden mit geringst möglichen Löhnen abgespeist. Arbeiterinnen, die in Indonesien in Zulieferbetrieben für bekannte Firmen wie Quelle, C&A, Otto Versand, Adidas und Nike Hosen, Blazer, Sportbekleidung und Turnschuhe fertigen, verdienten 1999 pro Arbeitstag - großzügig aufgerundet - rund zwei Mark. Informationen der internationalen Clean Clothes Kampagne zufolge reichte dieser niedrige Lohn aber nicht einmal in Indonesien aus, um davon auch nur die Grundbedürfnisse des Lebens zu decken. Doch die Arbeiterinnen haben weder eine alternative Einkommenschance noch eine einflußreiche Gewerkschaft.

Schließlich ist ja nach neoliberaler Ideologie jeder für sein Glück selbst verantwortlich. Und wer es eben nicht geschafft hat, einen multinationalen Trust zu gründen ist eben selber schuld.
Ich weiß, das ist Sarkasmus.
Wo doch immer so viel von Menschenrechten geredet wird von unseren "Eliten", wenn es mal wieder irgendein Land zu überfallen gilt:
Menschenrechtsverletzungen als Arbeitsalltag

Der niedrige Lohn ist aber nur die eine Seite der Maquila-Industrie. Die Arbeiterinnen der Freihandelszonen müssen auch Arbeitsbedingungen ertragen, die bei uns unvorstellbar und menschenunwürdig sind. So ergaben Interviews mit Arbeiterinnen in sechs vom "Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (PMK)" in Indonesien 1999 untersuchten Zulieferfabriken der Textilindustrie, daß z.B. "in der Kahoindah Citra-Fabrik (C&A-Zuliefer) Frauen aufgefordert werden, ihre Menstruation durch Öffnen ihrer Hosen unter Beweis zu stellen. Läßt sich eine Arbeiterin aufgrund ihrer Menstruation beurlauben, dann wird ihre Prämie für den ganzen Monat gestrichen... Geschlechtsspezifische Diskriminierung am Arbeitsplatz wie diese sind nicht nur in ein oder zwei Fällen sondern systematisch vorgekommen."

Schließlich ist unseren Eliten ja auch der Schutz von Familie, Sitte und Anstand wichtig.
Aber natürlich sollen diese Arbeitsbedingungen den "Lebensstandard heben:
Hinzukommen Arbeitszeitregelungen von 60 bis 80 Stunden pro Woche, die an früh-industrielle Zeiten erinnert. In den "Sweatshops" in China, wo beispielsweise Handtaschen für Wal Mart oder Textilien für Esprit hergestellt werden, herrschen ähnliche Arbeitsbedingungen. Weltweit sind davon viel Millionen Frauen betroffen. Nach Schätzungen der International Labour Organisation (ILO) arbeiten etwa 27 Millionen Menschen in den Maquilas der Entwicklungsländer. Hinzukommen 40 bis 70 Millionen Menschen, die in den chinesische Sonderwirtschaftszonen beschäftigt sind. Schon haben sich einig Dritte Welt Länder von dieser Maquila-Industrie abhängig gemacht. So werden 40 Prozent der Exporte Mexikos, 50 Prozent der Exporte Guatemalas, 50 Prozent der Exporte der Dominikanischen Republik und 61 Prozent der Exporte von Honduras in den Maquilas hergestellt.
Im Grunde haben diese Länder also eigentlich kaum oder gar keine "eigene Wirtschaft". Die Freien Exportzonen sind fast so etwas wie exterritoriale Enklaven der multinationalen Konzerne.

Weiterhin ist dieser Artikel auf den Seiten der österreichischen Gewerkschaft gmtn.at interessant. (klick):
42 Millionen Menschen, vor allem Frauen, arbeiten weltweit in sogenannten "Freien Exportzonen" (FEZ - Export Processing Zones). Gegründet werden sie in der Regel mit dem Versprechen an ausländische Investoren, dort mit niedrigen Steuern und liberalem Arbeitsrecht günstige Bedingungen zu bieten.
Angeblich dient dererlei der "Entwicklung" "unterentwickelter Länder":
Kein Beitrag zur Entwicklung
Die Länder, die Freie Exportzonen einrichten, hoffen darauf, dass die ausländischen Investitionen zu einem Technologie- und Know-How-Transfer in Betriebe außerhalb der Zonen führt. Der Bericht des IBFG zeigt aber auf, dass die Freien Exportzonen keinen Beitrag zur Entwicklung leisten, solange die Rechte der ArbeitnehmerInnen nicht besser geschützt werden. Dies kann nur durch die Anwesenheit von freien und unabhängigen Gewerkschaften in den Zonen gewährleistet werden.

Das alles ist ein wesentlicher Hintergrund übrigens auch der "Verfassungskrise" und des Militärputsches in Honduras!
ArbeitnehmerInnen-Rechte werden geopfert
Der Bericht "Behind the Brand Names" beinhaltet Fallstudien über Länder wie Bangladesch, China, die Dominikanische Republik und Madagaskar und zeigt auf, dass die FEZ-Länder zunehmend dazu neigen, selbst grundlegendste ArbeitnehmerInnen-Rechte zu opfern, um Investoren anzulocken, die auf der Suche nach immer billigeren und gefügigeren Arbeitskräften sind.

Die profane Wirklichkeit ist: Ausbeutung.
Ausbeutung der ArbeitnehmerInnen
Dabei zeigt der IBFG-Bericht, dass die Vorteile für Länder mit Freien Exportzonen nur kurzlebig sind. Die internationalen Konzerne zahlen kaum Steuern, beuten die ArbeitnehmerInnen aus, verursachen vielfach Umweltschäden und ziehen weiter, sobald sie in einem anderen Land noch billigere ArbeitnehmerInnen einsetzen können.

Ich sprach von "Scheindemokratien" in Lateinamerika. Was meint dieser Begriff? Nun ganz einfach: "Schein" bedeutet, dass etwas nur scheinbar, aber nicht real existiert, gewissermassen "nicht wirklich".
Rechte werden in Praxis nicht umgesetzt
Die Bedeutung der Freien Exportzonen ist in den vergangenen Jahrzehnten extrem gestiegen. Gab es 1970 in 25 Ländern Freie Exportzonen mit wenigen tausend ArbeitnehmerInnen, so arbeiten derzeit rund 42 Millionen Menschen in 116 Ländern unter meist menschenunwürdigen Bedingungen. Die Arbeitgeber sind meist von Arbeits- und sonstigen Gesetzen entbunden oder können sich darauf verlassen, dass derartige Gesetze nicht umgesetzt werden. In vielen Ländern gäbe es zwar entsprechende ArbeitnehmerInnen-Rechte, sie werden nur in der Praxis nicht umgesetzt. Die Konsequenzen: Der Schutz der Beschäftigten wird immer unverfrorener ausgehöhlt. Die ArbeitnehmerInnen haben meist keine andere Wahl als Hungerlöhne, überlange Arbeitszeiten und ausbeuterische Bedingungen zu akzeptieren.

Es handelt sich also um ein weltweites Phänomen kapitalistischer Überausbeutung. Die "Verfassungskrise" und der Militärputsch in Honduras haben genau DIESEN Hintergrund.
Der Trend, immer neue Landstriche als Freie Exportzonen auszuweisen, verstärkt den Verdrängungswettbewerb im liberalisierten Weltmarkt: Für 2007 geht die ILO von mehr als 2700 solcher Zonen mit insgesamt 63 Millionen Beschäftigten aus, davon allein 40 Millionen in China. Die Zunahme der Freien Exportzonen geht mit sinkenden Reallöhnen, mehr Überstunden und der Zunahme von informeller Beschäftigung und Kurzzeit-Beschäftigung einher. Das ist ein Zeichen dafür, dass der globale Kampf um Marktanteile vor allem auf dem Rücken der Arbeiter ausgetragen wird - sie finanzieren ihn mit Lohneinbußen und immer längeren Arbeitszeiten.
Quelle
Eine wichtige Konsequenz aus diesen Fakten ist die Notwendigkeit internationaler Solidarität der ArbeiterInnen nicht nur in diesen Freien Exportzonen und der kampf um freie gewerkschaftliche Betätigung und Organisation. Tatsächlich deutet alles darauf hin, dass weltweit in den "Freien Exportzonen" ein ständiger latenter Krieg gegen die überausgebeutete Arbeiterschaft geführt wird.
Das geht bis hin zu gezielten Morden an gewerkschaftlichen Aktivisten.
Das alles ist die "Demokratie", die von WELT und FDP verteidigt wird, während der Rest der bundesdeutschen Oligarchie entweder schamhaft schweigt oder sich in Haarspaltereien windet.

Donnerstag, 2. Juli 2009

Was "Heuschrecken" zu den Ursachen der Krise meinen

Ist doch ganz interessant. Gefunden bei www.jjahnke.net, zitiert Ben Funnell, Manager bei GLG:
"Das Schuldenvolumen der USA ist heute ein viel größeres Mehrfaches der amerikanischen Wirtschaftsleistung als vor der Großen Depression. Warum aber gibt es so viel Verschuldung, wo doch jeder Banker und Bankenaufseher weiß, daß das in Niemanden Interesses ist? Die Antwort ist das schmutzige kleine Geheimnis des Kapitalismus: Exzessive Kreditgewährung war der einzige Weg, den Lebensstandard der großen Mehrheit der Bevölkerung zu einer Zeit zu halten, als der Wohlstand in den Händen einer Elite konzentriert wurde. Nach einer Expertise der Societe Generale stieg das reale Einkommen des obersten Fünftels in USA seit 1970 um 60 %, während es für die übrigen Fünftel um mehr als 10 % gefallen ist. Die Walton-Familie, denen Wal-Mart gehört, ist heute wohlhabender als das ganze untere Drittel der US-Bevölkerung - etwa 100 Millionen Menschen. Der Anteil der Unternehmensgewinne am BIP war vor dem Ausbruch der derzeitigen Krise auf einem 100-Jahre-Hoch.
Die Ergebnisse des wirtschaftlichen Wachstums gingen in die Taschen von Plutokraten statt in die der Mehrheit der Bevölkerung. Warum gab es dann keine Revolution? Weil es eine Lösung gab: Verschuldung. Wenn man es nicht verdienen konnte, konnte man es borgen. Billige Kredite wurden breit verfügbar gemacht. Finanzielle Innovationen, wie vermögensgestützte Wertpapiere (Anmerkung: dazu gehören die Subprime Hypothekenpapiere) halfen dem Prozeß. Wegen immer weiter ansteigender Hebelung (Anmerkung: Verhältnis von Schuld zu Eigenkapital) mußten die Zinsen niedrig gehalten werden, um nicht durch hohe Schuldenlasten den Verbrauch abzuwürgen. Niedrige Zinsen erhöhten dann wiederum die Kreditaufnahme und verschärften das Problem.

Interessante Zahlen dabei.

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